| Artgerechte Haltung |
| Jan |
| Sonntag, den 15. Mai 2011 um 20:25 Uhr |
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Einerseits sind die vielen Gratishefte, die in den diversen Bioläden erhältlich sind, für mich sehr interessant und bieten immer wieder neue, zumeist positive Informationen. Andererseits sind sie für meinen Eindruck wenig selbstkritisch. Solange ein Produkt biozertifiziert ist, ist es gut. Bio = gut, bio = gesund.
Erschreckend und perfide fand ich einen Artikel, der im Eve-Magazin März/April 2011 auf Seite 72 unter dem Titel Bunt und gesund zu finden ist. Es geht um Eier vom Bio-Hof und sobald es um tierische Produkte geht, schwingt auch immer die Floskel vom guten Gewissen mit ein, wenn es Bio-Produkte sind. In dem Artikel werden zwei Kinder dazu benutzt die Tierausbeutung unter dem Bio-Deckmantel zu rechtfertigen. Denn wenn schon Kinder mit dem Leben der Bio-Tiere einverstanden sind, dann kann es ja nicht schlecht sein. Dem Konsumenten wird also nicht der Weg nahegelegt und aufgezeigt wie er mit Leichtigkeit Leid vermeiden kann, sondern er wird darin bestärkt sich voller Freude einfach nur mit weniger Leid zufrieden zu geben bzw. wird ihm dieses gar nicht als solches dargestellt. Wie so häufig bei der Huldigung von Tierprodukten aus der Bio-Branche wird ihre Situation nicht mit dem natürlichen Leben freier Tiere verglichen, sondern mit den Zuständen in der industrialisierten Tierverarbeitung und gegen diese ist es meiner Meinung nach leider leicht ein besseres Bild zu zeichnen. Das Hühner deutlich länger leben als ihnen das auf dem Eierhof möglich ist, dass sie Eier zur Fortpflanzung legen und dies bestimmt nicht 250 Mal pro Jahr vorhaben und deshalb sonst auch keine Austern essen würden, fällt unter den Tisch. Selbst die Fütterung mit Steinen um die Folgen ihrer fremdgesteuerten Fehlernährung zu mindern, werden hier als humanitäre Güte gepriesen. Aber wäre es ein wirklicher Vergleich von Bio-Produktion zu industrialisierter Produktion gäbe es immer noch viele Unannehmlichkeiten, die für eine Lossagung von tierischen Produkten sprechen. Aber diese könnten nicht gegenüber zwei lieben, friedlichen Kindern geäußert werden. Diese sollen weiterhin mit Heile-Welt-Bildern auf den Eikonsum programmiert werden. Worauf ich hinaus will? Was passiert denn mit den ganzen männlichen Küken, die bei der Zeugung der vielen neuen Legehennen anfallen? Ein Zitat aus dem Text ist "Wir möchten unseren Tieren die größtmögliche Entfaltung ihres arttypischen Verhaltens ermöglichen" und ich frage mich, was das über die Aussagende aussagt, weil sie dies ganz einfach könnte, wenn sie die Tiere nicht zu ihrer eigenen Bereicherung missbrauchen würden. Letztendlich komme ich aber zu dem Schluss, dass die sogenannte artgerechte Haltung wirklich die Lösung vieler unserer heutigen Probleme sein könnte und einfach noch nicht konsequent und weitläufig genug umgesetzt wurde. Wir bräuchten eine Mischung aus Hotels und Gefängnissen und natürlich einen wohl klingenden Namen. Vielleicht definieren wir Betreutes Wohnen neu. Oder so etwas Trendiges in Englisch, womit Dinge toll klingen, obwohl sie belanglos oder schlecht sind. Careless Overseen Optimized Living, kurz cooL, für die neue, sorglose, betreute, optimierte Lebens-weise. Aus den Anzeigen für Zimmer in Wohngemeinschaften können wir schließen, dass 20 qm eine angenehme Größe sind, die jedem Bewohner zustehen. Allerdings inklusive eigener kleiner Nasszelle. Intimsphäre ist zwar Luxus, aber wir wollen mal nicht so sein, außerdem wird so der Anreiz gegeben sie selber sauber zu halten. Ein Fernsehgerät mit entsprechendem Programm dient der Unterhaltung, Beschäftigung und zur Vermittlung des notwendigen Wissens. Die Nutzung ist außerhalb der vorgegebenen Ruhe- und Arbeitszeiten möglich. Alternativ kann auch ein Raum oder Hof zum Treffen mit anderen oder zur körperlichen Betätigung genutzt werden. Um gegenseitigen Verletzungen vorzubeugen, könnte in Betracht gezogen werden, dass die Arme vor Betreten der Gemeinschaftsbereiche am Körper befestigt oder geschient werden. Hin und wieder kommt es leider zu Rangeleien, wenn Menschen in größerer Anzahl auf engerem Raum auf einander treffen. Die Nahrung wird zugeteilt und besteht aus dem, was entsprechende Experten jeweils für angemessen erachten. Natürlich optimiert auf Nährstoffgehalt, Gesundheit und Verwertbarkeit. Die Bewohner verbringen ihren Arbeitstag mit der Herstellung nützlicher Gegenstände aller Art. Entsprechende, angrenzende Produktionsstätten ermöglichen eine Verarbeitung ohne lange Arbeitswege. Durch Automatisierung und Technisierung wird ein Arbeitsplatz geschaffen, der nicht viel Können verlangt. Es dürfte verständlich sein, dass bis auf bestimmte, besonders gesunde und gut ausgeprägte Bewohner, alle anderen sterilisiert werden. Die Fortpflanzung erfolgt bei Bedarf und die Aufzucht des Nachwuchses wird in professioneller Weise, gesondert vorgenommen. Die Mutter wird dafür nicht nötig sein. Sollte die Arbeitsleistung oder Arbeitsqualität eines Bewohners dauerhaft abnehmen, was aufgrund fortgeschrittenen Alters vorstellbar wäre, wird er zu aller Entlastung eingeschläfert. Aber damit muss sein Verdienst für die Gemeinschaft nicht enden, da verschiedene Verwendungsmöglichkeiten seiner Bestandteile möglich sind. Wir schaffen also eine artgerechte Haltung für den Menschen, der ihn vor Gefahren, Schäden und Krankheit schützt, seine Zeit und Arbeitsfähigkeit optimiert und ihm zur Verfügung stellt, was er für eine angenehme Freizeitgestaltung benötigt. Ebenso wird das Leid des Alters auf ein Mindestmaß reduziert. Sorgen und Nöte werden fern gehalten, so dass er sich optimal entwickeln und leben kann. Anfangs ist der Bezug dieser Einrichtungen freiwillig, aber nach und nach wird die dortige Unterbringung zwingend sein. Angefangen mit Kranken und Arbeitslosen, wird sich durch die kompakte Unterbringung und die mit ihr unter den Bewohner einhergehende Reduzierung von Konsum eine Spirale in Gang setzen, die immer weniger Arbeitskraft im bisherigen Sinne benötigt und somit zu immer weiteren Arbeitslosen und somit neuen Bewohnern führt. Es werden zuletzt diejenigen verbleiben, die die Einrichtungen bauen und aufrecht halten und diejenigen, die für das Wohl der in ihnen lebenden Menschen sorgen. Es wird eben immer welche geben, die den cooLen Luxus nicht in gleicher Weise genießen können; eine Gruppe von Idealisten, die sich für das Wohl der Menschen aufopfern. Rings um die neuen Wohn- und Arbeitsstätten erhält die Natur wieder wesentlich mehr Platz, wird weniger beansprucht und kann sich erholen. Der Rohstoffverbrauch sinkt, ebenso der Energiebedarf und die Umweltbelastung samt Klimaschädigung. Ich bin überzeugt, dass aufgrund der vielen, für sich sprechenden Vorteile, einer baldigen Einführung von cooL nichts mehr im Wege steht und rechne mit großem Zuspruch aus der Bevölkerung. |
"Es reicht nicht zu wissen, man muss es auch anwenden. Es reicht nicht zu wollen, man muss es auch tun." |